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Himmelsscheibe von Nebra 1000 Jahre jünger und falsch gedeutet?

Eine kürzlich veröffentlichte Studie über die “Himmelsscheibe von Nebra” aus Sachsen-Anhalt sorgt für Kontroversen. Wie berichtet (Video dazu im Beitrag) kommt die Untersuchung zu dem Ergebnis, dass der erstaunliche Jahrhundertfund von 1999 falsch datiert und interpretiert worden sei. In Wahrheit sei die Himmelscheibe kein 3600 Jahre alt sondern 1.000 wenn nicht mehr Jahre jünger. Auch die Fundumstände wurden in Zweifel gezogen. Damit seien die bisherigen Forschungen und Deutungen des Fundes durch die Archäologie, falsch so die Quintessenz der Studie. Das “Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt”, wo der Fund verwahrt wird, hat nun auf mit einer “Richtigstellung” auf diese Untersuchung reagiert.

“Himmelsscheibe von Nebra”: Die Kontroverse!

Nach der Veröffentlichung der Studie “Kritische Anmerkungen zum Fundkomplex der sog. Himmelsscheibe von Nebra” von Prof. Rupert Gebhard und Prof. Rüdiger Krause (s. Posting HIER und  Video unten) ging ein Schock vor allem durch die deutsche Archäologie-Landschaft! So kommen die Autoren der Untersuchung vor allem zu drei Ergebnissen:

  1. Die “Himmelsscheibe von Nebra” stammt nicht aus der Bronzezeit. Vielmehr sei sie der Eisenzeit zuzuordnen und wäre damit 1.000 Jahre jünger
  2. Alle bisherigen Deutungen und Interpretationen der Scheibe seien damit hinfällig und müssen neu bewertet werden.
  3. Die Begleitfunde wie Schwerter und Beile gehören (möglicherweise?) überhaupt nicht zur Himmelscheibe.

Da die etwa 32 Zentimeter große “Himmelscheibe” als einmaliger Jahrhundert- wenn nicht Jahrtausendfund angesehen wird, ist für viele Archäologen und Interessierte die Studie mehr als erstaunlich. Immerhin zieht sie rund 20 Jahre Forschung der Wissenschaftler in Sachsen-Anhalt und ihrer internationalen Kollegen an diesem erstaunlichen Artefakt in Zweifel.

Das “Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt” reagierte umgehend auf die Ergebnisse bzw. Behauptungen von Krause und Gebhard. Im Rahmen einer Presseerklärung des Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle veröffentlichte der stellvertretende Landesarchäologe Dr. Alfred Reichenberger folgende Richtigstellung:

“Himmelsscheibe von Nebra” eisenzeitlich? Eine Richtigstellung

In einem heute erschienenen Artikel von Rupert Gebhard und Rüdiger Krause in der Zeitschrift »Archäologische Informationen« wird postuliert, dass die in die frühe Bronzezeit (um 1600 v. Chr.) zu datierende Himmelsscheibe von Nebra erst 1000 Jahre später in die Eisenzeit zu datieren sei. Die Kollegen ignorieren nicht nur die Fülle an publizierten Forschungsergebnissen der letzten Jahre, sie führen dafür verschiedene Argumente ins Feld, die indes leicht zu widerlegen sind.

Als Grundlage für diese These werden von Gebhard und Krause mehrere Hauptpunkte ins Feld geführt.

Insbesondere sei die Zusammengehörigkeit der Himmelsscheibe mit den übrigen Funden des Ensembles, deren bronzezeitliches Alter nicht in Frage gestellt wird, nicht gesichert. Als Behauptung wird aufgestellt, dass die Erdanhaftungen an der Himmelsscheibe nicht mit denen der übrigen Funde übereinstimmen würden und auch die geochemischen Analysen der Metalle die Zusammengehörigkeit der Funde nicht unterstützen sollen.

Beides ist nachweislich falsch. Nach einem von den beiden Autoren nicht zitierten Aufsatz von Dr. Jörg Adam (damals Landeskriminalamt Brandenburg), der für das Landgericht Halle als Sachverständiger die Untersuchungen der Erdanhaftungen durchführte, »[ist] insgesamt … somit eine Herkunft sowohl der Erdanhaftungen an der Himmelsscheibe (Sp 1) als auch am Schwert (Sp 2) von deren vermutlichem Fundort (Entnahmestelle des VM 1) als sehr wahrscheinlich anzusehen… Eine Sonderstellung nehmen die Erdreste am Beil (Sp 3) ein.

Ein großer Teil der ermittelten Eigenschaften und Merkmale lassen ebenfalls eine Herkunft dieser Erdanhaftungen vom Mittelberg als möglich erscheinen«. Da sich der Untersuchungsauftrag des Gerichtes damals auf diese drei Gegenstände beschränkte, wurden die übrigen Beifunde vom Sachverständigen seinerzeit nicht untersucht und sind daher auch nicht als Argument gegen eine Zusammengehörigkeit aller Funde brauchbar. Insofern ist die Forderung der beiden Autoren, der Meißel müsse als nicht zugehörig ausgesondert werden, nicht nachvollziehbar.

Ebenso führt die Behauptung, die geochemische Untersuchung der Metalle spräche gegen eine Zusammengehörigkeit der Funde in die Irre. Schon 2008 und 2010 haben Prof. Dr. Ernst Pernicka und Kollegen dargelegt, »dass das Kupfer aller Teile des Hortes aus derselben Lagerstätte stammt.« Als Lagerstätte hingegen ist seit langem der Mitterberg im Salzburger Land nachgewiesen, dessen Kupferproduktion zu Beginn des 1. Jahrtausends v. Chr. geendet hat. Zusätzlich stellt Pernicka fest: »Analysen von keltischen [eisenzeitlichen] Kupferlegierungen zeigen ganz andere Zusammensetzungen sowohl der Hauptbestandteile als auch der Spurenelemente und Bleiisotopenverhältnisse«. Damit scheidet auch aus metallurgischer Sicht eine Datierung der Himmelsscheibe in die Eisenzeit klar aus.

Ein letztes von Gebhard und Krause bemühtes Argument ist der Hinweis, die Himmelsscheibe von Nebra im damaligen Symbolgut würde als »ein vollkommener Fremdkörper« erscheinen. Dies ist zwar richtig, trifft aber auf jeden einzigartigen Fund zu. Die Himmelsscheibe von Nebra wäre in jeder vorgeschichtlichen Periode ein Fremdkörper.

Auf viele weitere inhaltliche Unstimmigkeiten des Artikels gehen wir hier aus Platzgründen nicht ein.

“Herren der Himmelsscheibe”

Damit zeigt sich, was zu erwarten war: Die Veröffentlichung von Rupert Gebhard und Rüdiger Krause wird Kontroversen nach sich ziehen. Das wussten sie sicher im Vorfeld selber sehr genau.

Obwohl Kritiken an der “Himmelscheibe von Nebra“, dessen Einordnung und Deutung sowie ihrer Fundsituation nicht neu sind. Schon in den vergangenen Jahren gab es immer wieder kritische Stimmen, die diese “älteste Darstellung des Himmels” anders interpretierten.

Dies bezog sich meist jedoch auf die Thesen, die von diesem Objekt hergeleitet wurden. Etwa, dass es vor 3.600 Jahren in der Region um den Fundort eine regelrechtes Art “Königreich” der Bronzezeit gab. Geführt von Eingeweihten – den “Herren der Himmelsscheibe”. Ebenso ist eine Debatte darüber im Gange, ob das astronomische Wissen, das sich “codiert” auf der Scheibe befindet, ursprünglich von den Kulturen im Nahen Osten (Mesopotamien) stammt. Es wäre demnach “importiert”, wie auf Fischinger-Online in diesem Video HIER berichtet.

Wäre das einmalige archäologische Artefakt tatsächlich aus der Eisenzeit und damit sehr viel jünger, wären all diese Thesen falsch. Sehr richtig bemerkt aber auch die Stellungnahme der Archäologen aus Halle:

Die Himmelsscheibe von Nebra wäre in jeder vorgeschichtlichen Periode ein Fremdkörper.”

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