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Die Polizei befreite eine Frau aus den Fängen einer mutmaßlichen Sekte – „Prophet“ festgenommen

Was geschah auf dem Gelände eines ehemaligen Klosters in Goch nahe Kleve an der niederländischen Grenzen tatsächlich? Medienberichten nach kam es hier am 21. Oktober zu einem Polizeieinsatz, da auf dem Grundstück einer dortigen „Event-Agentur“ eine junge Frau gegen ihren Willen festgehalten worden sein.

Bei ihrer Durchsuchung trafen die Beamten nicht nur die gesuchte junge Frau an, sondern stießen auch auf eine religiöse Glaubensgemeinschaft, die dort ansässig ist. Eine Sekte, die sich selber „Orden der Transformation“ (eigentlich: „Orde der Transformanten“) nennt und deren Führer sich selber als „Prophet“ bezeichnet. Der selbsternannte „Prophet“ wurde vorläufig festgenommen und stammt ursprünglich aus den Niederlanden. Die „Sylter Rundschau“ zitiert unter Berufung auf eine dpa-Meldung in ihrer Printausgabe vom 22. Oktober einen Polizeisprecher nach dem Einsatz mit den Worten:

Den Ermittlungen zufolge soll auch auf dem Areal eine Glaubensgemeinschaft etabliert haben, man kann auch sagen: eine Sekte.“

Wie der „Prophet“ der Gruppe stammt auch der „Orden der Transformation“ ursprünglich auf den nahen Niederlanden. Je nach Quelle habe die Sekte 60 bis 100 Mitglieder. Die angerückte Hundertschaft der Polizei durchsuchte das Anwesen mehrere Stunden lang und traf immer wieder auf neuen Personen auf dem Gelände. Insgesamt 54 mutmaßliche Mitglieder der Sekte. Männer, Frauen und Kinder. Beschlagnahmt wurden lediglich zwei Schreckschusspistolen, Telefone, Computer und Datenträger und die Einsatz lief alles in allem scheinbar friedlich ab. Es habe keine Verletzten gegeben und eine „Geiselnahme“ sei auch nicht festgestellt worden, so die Polizei. Drei Männer wurden vorläufig festgenommen, nachdem sie sich gegen die Durchsuchungen wehrten.

Die Frau, die „gegen ihren Willen“ von der Gemeinschaft festgehalten wurde, sei in Sicherheit gebracht worden. Weitere Befragungen stehen nun an und gestalten sich nach Einschätzung der Polizei als schwierig, so die Polizei. Was angesichts der Vielzahl der angetroffenen Personen auf dem Gelände sicher eine ganze Weile dauern wird. Es sei ebenso unklar, ob überhaupt alle angetroffenen Menschen Mitglieder dieses „Orden der Transformation“ sind, wie es in verschiedenen Medienberichten heißt.

Der „Orden der Transformation“ besteht schon länger. Ursprünglich stammt der „Orde der Transformanten“ aus Hoeven in Nordbrabant in den Niederlanden. Und in Wahrheit wäre die Gemeinschaft auch keine Sekte, wie sie selber betonen, in der irgendwer gegen seinen Willen festgehalten würde. Die niederländische Zeitung „de Gelderlander“ zitiert Camiel Engelen, der niederländische Besitzer des Klosters Graefenthal, mit den Worten:

Es ist bizarr. Wir sind überhaupt kein Kult. Die Polizei hat unsere Schwester entführt.

Die Frau ist Angestellte. Sie lebt und arbeitet hier. Sie blieb freiwillig hier. Sie widerstand den Offizieren, wurde aber von drei Männern gewaltsam weggebracht. Ich bekam sofort einen Gewehrlauf auf den Kopf und musste mich auf den Boden legen. Es ist traurig, dass die Polizei nur Gewalt anwendet. Unsere Schwester wurde von der Polizei entführt. Wir werden einen Anwalt beauftragen, sie zurückzubringen.“

Gegründet wurde die Sekte schon 2000 von einem Robert Baart. Einem gebürtigen Amsterdamer, der nach und nach in seinem „Orden“ mehr und mehr Anhänger vereinen konnte. Seit dem habe die Glaubensgemeinschaft immer wieder mit angeblich falschen Anschuldigungen und Kritikern zu tun. So kam es 2008 zu einem Mord an einem Mann, der seine Frau, die Mitglied in dem „Orden“ war, verlassen hatte. Im Jahr 2012 wurden zwei Mitglieder der Gruppe deshalb angeklagt – aber freigesprochen. Nur zwei Jahre später wurde ein Mitglied des „Ordens der Transformanten“ wegen versuchten Mordes zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt. Das Sekten-Mitglied erstach einen Abtrünnigen der Religionsgemeinschaft, der der Ex-Mann einer Frau war, die in diesem „Orden“ lebte.

Mit den Worten „vielleicht sind die Leute neidisch auf unseren Erfolg“ erklärt sich Camiel Engelen die Razzia bei den Gläubigen. Immerhin boomen dort seit 2017 auch öffentliche und private Veranstaltungen. Etwa Mittelalterfeste, Hochzeiten, Tagungen, Weinfeste oder Hallowenpartys. Von anfänglichen 9.000 Besuchern stieg die Zahl auf 100.000 Gäste pro Jahr.

Von einer Sekte weiß aber auch der ehemalige Besitzer Roovers nichts, dem bis 2017 das ehemalige Kloster gehörte. Laut „de Gelderlander“ wusste er nichts von dem dortigen Treiben:

Bevor ich ihnen das Kloster verkaufte, wurde diese Gruppe von etwa 25 oder 30 Männern für fünf Jahre von uns im Kloster gemietet. Sie bezahlten ihre Rechnungen ordnungsgemäß und hielten sich an die Regeln. Ich kann nichts anderes sagen.

Ich gehe kaum noch dorthin, ja, nur in der Nachbarschaft, um manchmal spazieren zu gehen.“

Er habe auch nicht von irgendwelchen „kultischen Bedingungen“ und Aktivitäten auf seinem ehemaligen Gelände bemerkt, versichert er.

„Belagerung von Kloster Graefenthal“ hieß beispielsweise der Mittelaltermarkt Anfang Oktober 2020 am Kloster. Feste, die sich in den vergangenen Jahren immer größerer Beliebtheit erfreuen. Von der dort ebenso ansässigen Sekte verrät die offizielle Webseite des Klosters natürlich nichts.

Allerdings hat der „Orden“ selber eine niederländische Internetseite, die jedoch kaum wirkliche Informationen und Inhalte bietet. Neben dem üblichen Sektengerede von Gott, Frieden und Geborgenheit ist der Internetauftritt der Gruppe schon auffallend dünn in seinem Informationsgehalt. Zum Beispiel:

Jeder kann transformierend werden, unabhängig von Rasse, sexueller Orientierung, Geschlecht, individuellem Hintergrund oder Alter. Eine enge Beziehung zu Gott ist von zentraler Bedeutung für den Orden. In einem der Gottesdienste oder Diskussionstreffen können Sie lernen und erfahren, was Gott in Ihrem Leben bedeuten kann und wie wunderbar das ist.

Die Gottesdienste des Ordens der Transformanten werden zu Ehren Gottes abgehalten. Einer der Vorgänger des Ordens leitet den Gottesdienst und übersetzt Gottes Wort in die tägliche Praxis. Die Gottesdienste des Ordens sind teilweise interaktiv.“

In den aktuellen Berichten über den Polizeieinsatz ist vielfach von einer „christlichen Sekte“ die Rede. Hierbei ist es nicht so interessant, was auf der Webseite der Gruppe steht, sondern was dort nicht steht.

An keiner einzigen Stelle findet sich eine Erwähnung von Jesus oder Christus. Dort wird ständig von „Gott“ und „Gottes Wort“ gesprochen. Für eine „christliche Sekte“ wie etwa Bibelfundamentalisten bzw. evangelikale Christen ist das ausgesprochen ungewöhnlich, wie ich finde …

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